Polnische Partnerschule überwältigt von Spende aus dem Höchster Schulverbund

Die Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums und der Leibnizschule haben gebacken, gesammelt, verkauft und sogar einen Flohmarktstand bestückt. Mit dem Erlös wollen sie Geflüchtete aus der Ukraine unterstützen. So konnten sie auch den Schrecken über den Krieg in der Ukraine in tatkräftige Hilfe umwandeln. Inzwischen hat Claude Görner, Lehrer an beiden Schulen und Mitorganisator der Aktion, rund 3000 Euro an eine Partnerschule des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums im polnischen Bialystok überwiesen. Die Schule hat viele Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen und versorgt sie mit dem Nötigsten. Dabei unterstützt sie das polnische Rote Kreuz.

Mit einem überschwänglichen Brief hat sich jetzt das Rote Kreuz bei allen Aktiven in der Schüler- und Lehrerschaft sowie auch bei Eltern bedankt, die im

Hintergrund mit angepackt haben. Im Bild findet sich der polnische Originaltext und daneben die Übersetzung, die dankenswerterweise eine Kollegin der Leibnizschule angefertigt hat. Dazu hat das Rote Kreuz eine ganze Reihe von Fotos geschickt, die die Verladung der Lebensmittel-Einkäufe zeigt. Hier eine kleine Auswahl der Fotos.

Auch wenn im Augenblick eher beunruhigende Entwicklungen die Nachrichtenlage dominieren: Manchmal überholt auch eine positive Tendenz die Berichterstattung in den Medien: Inzwischen steht die "Spendenuhr" der Hilfsaktion von FDG und Leibnizschule für ukrainische Geflüchtete in der polnischen Partnerschule auf 2698,15 Euro. Weitere Aktionen sind geplant. Im nebenstehenden Artikel berichtet das Höchster Kreisblatt über die vielfältigen Möglichkeiten, die Leibnizschule und FDG den Schülerinnen und Schülern bieten, sich mit dem Krieg in der Ukraine auseinanderzusetzen. Eine große Bildergalerie zeigt hier außerdem Werke von Schülerinnen und Schülern, in denen sie der Ukraine Frieden wünschen, ihre Vorstellungen vom Krieg verarbeiten oder einfach Stop! sagen wollen.

Bleiben oder fliehen? Wenn die eigenen Großeltern in der Ukraine leben

Jana: Hallo Clark, wir hatten gehört, du redest Russisch. Hast du russische Wurzeln?

Clark: Nicht so ganz. Meine Mutter kommt aus der Ukraine, aber dort, wo sie aufgewachsen ist, sprechen die meisten Russisch. Meine Oma ist aber in Weißrussland aufgewachsen und dann in die Ukraine gezogen.

Ist deine Familie denn vom Krieg betroffen?

Ja, meine Großeltern lebten und leben in Odessa, denn meine Oma ist vor einem Monat nach langem Überreden zu uns gezogen. Meine Mutter wollte sie schon vom Anfang des Krieges im Februar zu uns holen, jedoch war sie nicht davon überzeugt und ist erst nicht gekommen. Meine Opa lebt aber noch in Odessa und möchte nicht nach Deutschland kommen.

Wie ist deine Oma nach Deutschland gekommen?

Sie ist die meiste Zeit mit dem Bus gefahren und auch einmal geflogen. Allgemein hatte sie zum Glück keine „schlimme“ Flucht, denn sie ist nicht viel gelaufen, sondern ist viel mit Transportmitteln gefahren. Doch trotzdem hat alles Wunden hinterlassen und sie ist anfangs nachts öfter aufgewacht. Sie schaut zwar immer noch bis spätabends, ob es Neuigkeiten gibt, aber sie hat sich so weit beruhigt, dass sie nachts durchschläft.

Wie hast du dich gefühlt, als deine Oma zu dir kam?

Ich fand es schon gut und war erleichtert, aber ich hatte auch meine Bedenken. Zum Beispiel ist es etwas schwer, dass wir nun zu viert in unserer etwas kleinen Wohnung sind. Trotzdem freut es mich, dass sie jetzt da ist.

Möchte deine Oma in die Ukraine zurückkehren?

Auf jeden Fall. Sie hofft, dass er Krieg endet und sie zurück zu ihren Freunden kann, mit denen sie auch jeden Tag telefoniert, denn sie sind noch in Odessa und können nicht raus. Doch ihre Hoffnung ist schwer umsetzbar.

Habt ihr Pläne für den Fall, dass deine Oma doch in Deutschland bleiben möchte?

Nein, wir haben eigentlich keine. Meine Oma mag es nicht, alleine zu sein, mit niemanden zu reden. Deshalb bleibt sie bei uns, bis sie wieder sicher zurückgehen kann.

Machst du dir Sorgen um deinen Opa?

Ja klar, wenn ich mich an die Zeiten erinnere, in denen ich bei ihm war, bin ich immer etwas schlechter gelaunt, weil es bei ihm immer schön war. Auch seine positive und witzige Art habe ich immer in Erinnerung, wenn ich an Odessa denke.

Helft ihr auch anderen Personen, die aus der Ukraine flüchten?

Meine Mutter hilft viel. Wir haben uns auch mit einer Familie angefreundet, denen meine Mutter die Stadt zeigt und ihnen einfach hilft, sich im Alltag zurechtzufinden. Es braucht sicher noch Zeit, denn sie sprechen noch nicht viel Deutsch.

Vielen Dank für das Interview, Clark und alles Gute für deine Familie!

Das Interview führte Jana Rossius mit Clark Noeding

Krieg in der Ukraine - ein Lagebericht

(Dieser Artikel beschreibt eine aktuelle kriegerische Auseinandersetzung. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.)

Ein aktuelles Thema ist der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. 2014 begann der Konflikt mit der Annexion der Halbinsel Krim im Süden der Ukraine durch Russland. Nun, nach acht Jahren, hat der Konflikt eine höhere Stufe erreicht. Am 24. Februar dieses Jahres hat Wladimir Putin, Präsident Russlands, eine, wie er es nennt, „Militärische Spezialaktion“ im Nachbarland gestartet. Wochen vorher wurde bereits über einen Krieg spekuliert, da etwa 150.000 russische Soldaten an der Grenze zur Ukraine gesichtet wurden. Russland begründete diese Maßnahme mit einer gemeinsamen Militärübung Russlands und Belarus‘, welche dort stattfand. Laut russischen Angaben sollte diese am 16. Februar beendet werden und ein Truppenrückzug wurde angekündigt. Nach Informationen der USA verstärkte Russland jedoch seine militärische Präsenz an den Grenzen zur Ukraine, was zu großem Gesprächsbedarf führte. In den Wochen vor der Invasion in die Ukraine gab es fast täglich Warnungen seitens der USA aufgrund russischer Truppenbewegungen entlang der ukrainischen Grenze. Putin betont, er wolle keinen Krieg und stellt dafür Forderungen an die Ukraine: Die Ukraine dürfe nicht der NATO beitreten, da sich Russland von der Ausweitung der NATO „bedroht fühle“. Nach zahlreichen Gesprächen mit der russischen Regierung konnten keine Vereinbarungen getroffen werden, welche zu einer Lösung hätten führen können.

Am 24. Februar zeigt sich Wladimir Putin in einer Fernsehansprache als Beschützer der ukrainischen Bevölkerung, welche seit acht Jahren von Zitat „dem Kiewer Regime misshandelt und ermordet werden.“ Den Krieg leugnet der Präsident und sagt in seiner Ansprache: „Gleichzeitig sehen unsere Pläne nicht vor, ukrainische Gebiete zu besetzen. Wir haben nicht die Absicht, jemandem etwas mit Gewalt aufzuzwingen.“

Zwei Monate später gibt es mindestens 46.160 Tote und mehr als 13 Millionen Geflüchtete, doch der Kampf geht weiter (Nachrichtenagentur Reuters, Stand 26. April). Nachdem sich die russischen Truppen aus dem Nordosten des Landes vollständig zurückgezogen haben, konzentrieren sich die Truppen jetzt auf den Süden. Für Putin ist ein Sieg über der Ukraine sehr wichtig.  Da am 9. Mai Russland die Befreiung Nazi-Deutschlands feiert, möchte Putin bis dahin einen Sieg präsentieren. Große Erfolge hat die russische Armee jedoch keine erzielt. Jedoch gibt es Nachrichten darüber, dass die Großstadt Mariupol bis auf ein Stahlwerk vollständig erobert ist. In dem riesigen, unübersichtlichen Stahlwerk befinden sich rund 2500 Soldaten der ukrainischen Armee inklusive ausländischer Söldner. Hinzu kommen rund eintausend Zivilisten, unter ihnen mehrere hundert Kinder, welche sich auf dem Gelände verstecken und nicht nach draußen können. Putin hatte sich zum Stahlwerk folgendermaßen geäußert: "Wir müssen an das Leben und die Gesundheit unserer Soldaten und Offiziere denken", sagte Putin bei einem Gespräch mit dem Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Putin hat angeordnet, das Stahlwerk nicht zu stürmen, sondern das Gebiet so engmaschig zu belagern, dass "keine Fliege mehr heraus kann". Er forderte außerdem die Menschen in dem Stahlwerk auf, die Waffen niederzulegen. Bis zum heutigen Tag dauert der Krieg an. Die Städte im Südosten der Ukraine sind stark umkämpft. Wie sich die Lage entwickeln wird, ist unklar.

Text: Clark Noeding          (Quellen: Wikipedia, Spiegel, Tagesschau)