Saalburg

Lederschuhe, Fußbodenheizung und 25 Jahre Wehrdienst - so lebten die Römer auf der Saalburg

Das Reisen zu Römerzeiten war eine beschwerliche Angelegenheit. Und auch, wer heute das Römerkastell im Taunus, die Saalburg, besuchen will, muss eine gewisse Ausdauer mitbringen. Die Latein-Gruppe von Agnes Jagodzinski hat es gewagt und anschließend befunden: Der Weg lohnt sich. Zweite Erkenntnis: So fremd sind uns die Römer gar nicht. Schon am doppelten Torbogen des Eingangs, der Porta Praetoria, merken die Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe, dass sie sich durchaus im dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurechtgefunden hätten. Nicht nur hat der Schotterweg, den sie entlangschritten, einst von der Stadt Nidda - dem heutigen Heddernheim - bis vor das massive Tor geführt. Sondern auch die Schrifttafel mit den seltsamen "Vs" statt "Us" über dem Tor lässt sich entziffern.

Der Lageplan führt zuverlässig zu "Praetorium" und "Fabrica" und sie merken schnell: Das Leben zu Römerzeiten könnte sogar recht angenehm gewesen sein. Nicht schlecht staunen die Schüler über Reste einer Fußbodenheizung, über schön gestaltete Lederschuhe, na ja, die schwärzlichen Reste, die man gefunden hat - und die hellbraunen Modelle, die man den Originalen nachempfunden hat. Sie werden nun samt ledernem Schnittmuster in Vitrinen ausgestellt.

Ein Film über die Entstehung und Ausdehnung des Römerlagers in "Germania", wie die Römer das von ihnen besetzte Land nannten, gibt einen ersten Überblick. Wir erfahren: Bis zu 1000 Menschen lebten einst im und um das Kastell nordwestlich von Bad Homburg herum. Bis ein großer Brand und die politische Entwicklung des Römischen Reiches die Saalburg wieder dem Vergessen überließ. Das ist auch der Grund, warum die Festung, die wir heute sehen, nicht das originale Kastell ist. Es wurde vor mehr als 100 Jahren dem Original entsprechend wieder aufgebaut.

Wer nun auf eigene Faust durch das Lager stöbert, staunt, wie klein eine Schlafkammer für acht Soldaten war und dass sie auch noch eine Kochstelle umfasste. Er erfährt, dass sich die Römer bis zu 25 Jahren für den Wehrdienst verpflichten mussten. "Aber wer das überlebte, war anschließend gut versorgt", weiß Frau Jagodzinski. Denn wer noch kein Bürgerrecht besaß, bekam dieses anschließend verliehen, zuzüglich einer Abfindung. Wechselnde Ausstellungen zeigen beispielsweise, wie viel Wert die Römer auf Hygiene legten - anhand einer originell gestalteten Schau über die Toilettenkultur. In der Taberna, dem gemütlichen Restaurant in der Saalburg, konnten sich die einfachen Soldaten vermutlich eher keine Mahlzeit leisten. Heute jedoch wirkt sie einladend für die modernen Besucher, man kauft Kümmelbrot und Würzwein, Kuchen und Dauerwurst nach Originalrezept.

Das Team der Museumspädagogen in der Saalburg tut übrigens alles, um die Besucher möglichst real 1700 Jahre in der Zeit zurückreisen zu lassen. Man kann sich nicht nur in römische Tuniken hüllen und den weichen, fleißenden Stoff auf der Haut spüren. Sondern man erfährt am eigenen Leib, wie die Römer mit Schwert und Schild, Bogen und Speer unaufhaltsam einen Stamm nach dem anderen in Europa bekämpft und besiegt haben. Eine Rallye schickt die Schülerinnen schließlich von Raum zu Raum. Sie lässt sie einen römischen Ziehbrunnen erkunden oder die hoch entwickelte Waffenschmiedekunst verstehen, ein Webstuhl gibt Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten. Selbst für die Herstellung von Schmuck und dekorativen Figuren muss damals Zeit und Muße gewesen sein. Ob die Germanen den Römern nicht so viele Scherereien bereitet haben, wie die widerspenstigen Gallier rund um Asterix und Obelix? Jedenfalls sprechen feinste Spangen, geschnitzt aus weißem Knochenmaterial, oder eine winzige Skulptur zweier Engel, die sich innig umarmen, genauso wie die Kunst des bewaffneten Kampfes für eine Kultur, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Saalburg