Weltweit sucht die deutsch-französische Freundschaft ihresgleichen. Wie konnte nach Jahrhunderten der Feindschaft zwischen Deutschen und Franzosen ein so enges Band entstehen? Dieser Frage spürten die Französisch-Klassen in Jgst. 10 nicht nur theoretisch im Lehrbuch nach. Sondern in diesem Jahr auch

praktisch mit einer Tagesfahrt mit Frau Schirrmacher und Frau Schlagbauer nach Verdun – dem Schauplatz einer erbitterten Schlacht im Ersten Weltkrieg (1914-1918) mit 700.000 bis 800.000 Opfern allein im Kampf um diese Befestigungsanlage. Die Klassen 10a und 10c ließen sich von einer Führerin zuerst das Fort Douaumont zeigen – eine teils unterirdischen Schutz- und

Verteidigungsanlage. Dort ertrugen mal französische, mal deutsche Soldaten – je nach Eroberungslage - erbarmungsloses Artilleriefeuer, Dunkelheit, feuchte Kälte, Beengtheit, Gestank, tragische Groß-Explosionen im Innern... und das alles begleitet von einer Mischung aus quälender Langeweile und nackter Angst ums eigene Leben. Von außen sieht man heute zerschossenes Gemäuer und eine Kraterlandschaft, die nur wie zum Schein grün überwachsen ist. Denn kein Quadratmeter Erde ist damals dort an seinem Platz geblieben.
Weiter ging es ins Mémorial, in die Gedenkstätte, die das Grauen der Schlacht für alle Sinne erlebbar macht. Man läuft auf Glas über nachgebildeten Matsch und Schutt wie übers Schlachtfeld vor mehr als 100 Jahren. Über dem Kopf scheinen Flugzeuge zu fliegen und Geschosse zu sirren, Video-Installationen, knappe Dokumentationen und zahlreiche Originalfotos lassen diesen Krieg mit Pferden, Karren, Bajonetten und Stahlhelmen lebendig werden. Gebannt und berührt lesen Schülerinnen und Schüler Feldpostbriefe von Soldaten an ihre Familien – die meisten waren nur wenige Jahre älter als die Besucher heute. Die meisten haben diese Schlacht nicht überlebt.

Manchen Besucherinnen und Besuchern fällt es trotz der vielen originalen Fotos und Objekte, der authentischen Geräuschkulisse und der eindrücklichen Videos schwer, sich in diese Zeit zurückzuversetzen. Der Krieg ist mehr als 100 Jahre her. Doch ist nicht das Leid im Kriegs in der Ukraine, im Nahen Osten und im Iran nicht das gleiche? Auch wenn nicht mehr Pferdekarren das Material transportieren, sondern LKW und Drohnen. Wie lautet die Botschaft des französischen Mémorials? Es fällt auf, dass das

gesamte Schlachtfeld mit Fort, Kriegsfriedhof, Mémorial keiner Seite einen Vorwurf macht. Es stellt das unendliche Leid auf französischer wie auf deutscher Seite nur dar. Wie kann dann der nächste Schritt in Richtung Versöhnung und Frieden gelingen? Er lautet: Gebt euch die Hand. Die Botschaft lag schon 1918 in Luft. Dennoch sollte es noch bis nach dem zweiten, noch schrecklicheren Weltkrieg dauern, bis Charles de Gaulle für Frankreich und Friedrich Ebert für Deutschland diesen Schritt unternahmen. Ihre Botschaft: Nie wieder Krieg, um Grenzen zu verschieben. Nie wieder dieses sinnlose Sterben.